Wenn Manuela Gerbig ein paar Tage nicht im Büro ist, wissen ihre Kollegen Bescheid: Bereits 46-mal ist die KPMG-Mitarbeiterin aufgebrochen, um Menschen an einem anderen Ort der Welt eine lebensrettende Knochenmarkspende zu überbringen. „Das ist mein Dank dafür, dass einer Freundin ebenfalls mit einer Spende das Leben gerettet werden konnte.“

Über einen Zufall erfuhr sie von der Möglichkeit, sich außer mit Geld oder einer eigenen Spende ehrenamtlich für Leukämie-Erkrankte zu engagieren. Manuela nimmt als freiwillige Kurierin für Knochenmarkspenden stattdessen viel Zeit und Verantwortung in die Hand: „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es sich um ein Menschenleben handelt, für das man die Reise antritt.“ Schnelligkeit und Zuverlässigkeit seien dabei unerlässlich. Mit jedem Transport starte sie erneut einen Wettlauf gegen die Zeit. Nach der Entnahme vom Spender in der Startklinik müssen die Zellen in einem Zeitfenster von 72 Stunden dem Empfänger transplantiert werden – wo auch immer dieser sich befindet. Je frischer die Zellen, desto besser, erklärt Manuela und ergänzt: „Deshalb darf ich die Zellen während des Transports nicht aus den Augen lassen. Sie müssen durchgängig eine bestimmte Temperatur haben und bei der Gepäckkontrolle nicht geröntgt werden. Ich kann im Flieger auch nicht einfach schlafen – ein Flug an die Westküste der USA wird da zu einer Herausforderung.“

Währenddessen wird am Zielort der Patient bereits auf die Knochenmarkspende vorbereitet. Mit dem Mobiltelefon ist Manuela während des Transportes mit der Datenbank verbunden – über bestimmte Codes teilt sie der Zielklinik ihren aktuellen Standort mit. Nachdem Manuela die Spende an den zuständigen Arzt übergeben hat, kann die Kurierin wieder durchatmen. Ihre Laufschuhe hat sie als Ausgleich für die Anspannung immer im Gepäck: „Bei einer Reise konnte ich mir den Traum erfüllen, einmal im New Yorker Central Park joggen zu gehen. Das ist die andere Seite dieser Transporte: Man lernt die Welt etwas besser kennen und macht auch mal verrückte Sachen. Ich bin zum Beispiel einmal für ein Bon Jovi Konzert von Boston nach Las Vegas geflogen.“

Eine Routine gäbe es bei den Transporten jedoch nicht: „Ich bin noch immer vor jeder Reise sehr aufgeregt. Es kann einfach so viel schiefgehen: Bahnfahrten fallen aus, Flüge verspäten sich oder meine Ankunft verzögert sich, weil die Sicherheitsbeamten am Flughafen meinen Einreisegrund nicht auf Anhieb akzeptieren.“ Die Reiseabwicklung übernimmt ein auf diese Transporte spezialisiertes Kurierunternehmen: „Ich gebe an, wann ich Zeit habe. Sie teilt dann Transporte zu, bucht Bahn, Flüge und Hotelübernachtungen und gibt mir ein detailliertes Briefing“, erklärt Manuela den Ablauf.

Um regelmäßig Transporte übernehmen zu können, sei eine gute Kommunikation mit ihrem Chef unentbehrlich: Wann ist ihre Anwesenheit besonders erforderlich, wann kann ihr Chef auf ihre Unterstützung am ehesten verzichten, wie viele Tage kann sie unterwegs sein – Fragen, die sie regelmäßig mit KPMG klärt. „Bei KPMG in München wurde meine freiwillige Kuriertätigkeit vom ersten Gespräch an unterstützt, was mir auch sehr wichtig war. Ich erhalte dafür ein monatliches Stundenkontingent und kann auch spontan Überstunden ausgleichen.“


Für einen Knochenmarktransport innerhalb Deutschlands muss sie mindestens zwei Tage einplanen – bei Fernreisen können es auch mal 5 – 6 Tage sein. Skandinavien, Italien und die USA sind nur einige Ziele, an denen Manuela bisher Spenden erfolgreich überreichen konnte. Wie es mit den Patienten weitergeht, erfährt sie dabei nicht: „Die Transporte sind komplett anonym. Als Kurier weiß man nie, wer der Spender ist oder wer die Spende bekommt. Wir kennen nur das Körpergewicht der Empfänger – und wenn man dann 13 Kilo liest, ist das Gefühl nochmal ein anderes. Umso mehr reist man dann mit ganzem Herzblut, um mit der Spende so schnell wie möglich vor Ort zu sein.“

Bisher übernahm Manuela etwa vier bis neun Transporte pro Jahr. Doch die Fernreisen wird sie auf Dauer wohl nicht mehr in diesem Umfang leisten können. „Man wird einfach älter und jeder Transport ist eine Belastung.“ Doch Manuela denkt nicht darüber nach, ihr freiwilliges Engagement damit auf Eis zu legen. Sie hat sich bereits für ein weiteres Ehrenamt gemeldet: Zukünftig wird sie die Patenschaft für ein Kind übernehmen, dessen Eltern psychisch erkrankt sind. Einmal pro Woche wird sie die Eltern entlasten und dem Kind etwas mehr Stabilität im Alltag geben. Gemeinsam backen oder basteln stünde dabei auf dem Plan.

Neben ihrem persönlichen und fordernden Engagement in der Freizeit, gebe ihr der Job bei KPMG auch eine gewisse Stabilität – dennoch mag sie vor allem die Abwechslung. „Kein Tag ist wie der andere. Es gibt immer wieder etwas Neues, was ich spannend finde. Stillstand wäre für mich auch das Schlimmste.“ Weiterhin schätzt sie besonders den vorherrschenden Teamgedanken: „Die Menschen bei KPMG sind alle sehr unterschiedlich, doch insgesamt eher jung und dynamisch. Jeder legt hier Wert auf einen respektvollen Umgang. Man unterstützt sich gegenseitig.“

Der Blick weg vom Materiellen hin zur Menschlichkeit und gegenseitiger Hilfe ist für Manuela ein ganz besonderes Anliegen – nicht nur im Job, sondern vor allem privat: „Wir haben so viel zu geben und können dankbar sein, dass wir gesund sind. Jeder kann etwas tun und irgendwo mit anpacken oder helfen. Es gibt einfach Dinge im Leben, die wichtiger sind als ein neues Auto.“

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