Alles rund ums Thema Power Napping

Guter Schlaf ist wichtig. So wichtig, dass ein weltweiter Verbund von Schlafmedizinern im Jahr 2008 den World Sleep Day ins Leben gerufen hat. Jedes Jahr im März setzen sich seitdem Experten rund um den Globus mit dem großen Thema Schlaf auseinander. Auch wir haben das zum Anlass genommen, einen bestimmten Begriff mal näher zu beleuchten: Power Napping. So gut wie jeder hat schon einmal davon gehört. Doch was ist Power Napping eigentlich und bringt es wirklich was? Handelt es sich vielleicht um einen Trend, der schon lange gar keiner mehr ist? Und wo kommt Power Napping überhaupt her? Fragen über Fragen, auf die wir viele spannende Antworten gefunden haben. Wir hoffen, dass diese alles andere als einschläfernd auf Dich wirken. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen!

Was ist Power Napping eigentlich?

Vielleicht kennst Du es selbst aus Deiner Kindheit, von Deinen eigenen Kindern oder auch von Deinen Großeltern: der gute alte Mittagsschlaf. Dieser ist für viele ganz normal, denn unsere innere Uhr gibt eben vor, dass wir mittags müde werden. Doch was für kleine Kinder und ältere Menschen oft eine Selbstverständlichkeit ist, gerät bei den meisten von uns im Laufe der Jahre in Vergessenheit – oder wir haben schlichtweg keine Zeit dafür. Power Napping bedeutet wortwörtlich übersetzt „Energie Nickerchen“. Und genau darum geht es auch: ein kurzer Schlaf rund um die Mittagszeit, um neue Energie zu tanken. Aber ist es tatsächlich so, dass Power Napping leistungsfördernd auf uns wirkt? Und was sollte man dabei beachten? Wir verraten es Dir.

Echt eine gute Sache

Um es einmal vorweg zu nehmen: Ja, Power Napping hat seine Vorteile – und das sind gleich mehrere. So belegen beispielsweise verschiedene Studien, dass sich der Schlaf zur Mittagszeit positiv auf unser Kurzzeitgedächtnis auswirkt und die Aufmerksamkeit um bis zu 100 Prozent steigert. Wir tanken also tatsächlich neue Energie. Wer regelmäßig ein Power Napping macht, hat außerdem weniger Appetit auf fette und süße Lebensmittel, die zum einen unserer Figur nicht unbedingt gut stehen und zum anderen auch dazu beitragen, dass wir träge werden. Wenn Du dreimal wöchentlich einen kurzen Mittagsschlaf dazwischenschiebst, kannst Du sogar Dein Herzinfarktrisiko um bis zu 37 Prozent senken. Power Napping ist also bewiesenermaßen gesund. Doch nicht nur das: Es sorgt gleichzeitig für gute Laune. Grund dafür ist das Hormon Serotonin. Ein Schläfchen steigert die Konzentration des Hormons in unserem Blut – und das wiederum hebt unsere Stimmung. Power Napping bringt also im wahrsten Sinne des Wortes richtig Spaß.

Wenn schon Power Napping, dann richtig

Von der Theorie in die Praxis: Es haben sich im Laufe der Jahre einige Tipps herauskristallisiert, die man für ein optimales Power Napping beachten sollte. Erst essen, dann schlafen. Das ist unser erster Tipp. Denn wenn Du vor dem Power Napping isst, richtet sich Deine Energie anschließend komplett auf die Verdauung – perfekt zum Abschalten. Und das passt wahrscheinlich auch gut in Deinen Zeitplan, denn ein Power Napping machst Du idealerweise zwischen 13 und 14 Uhr. Dazu nimmst Du eine bequeme Position ein. Lehne Dich beispielsweise in Deinem Bürostuhl weit zurück. Oder mach es Dir auf einem Sofa bequem. Wichtig ist nur, dass Dein Kopf gut abgestützt ist.

Jetzt kommt der vielleicht schwierigste Teil: Du solltest versuchen, nicht bloß die Augen zu schließen, sondern wirklich kurz einzunicken. Dabei können beispielsweise Kopfhörer mit leiser Musik helfen. Das Entscheidende ist aber, dass Du ca. 20 bis 30 Minuten schläfst – keinesfalls länger als eine Stunde. Dann wird aus einem Kurzschlaf nämlich ein Tiefschlaf und der bringt zumindest bei einem Power Napping während des Tages mehrere Nachteile mit sich. Zum einen brauchst Du länger, um hinterher wieder richtig wach zu werden, und zum anderen bist Du sogar eventuell leicht verwirrt oder gereizt. Wegen des niedrigen Blutdrucks während eines kurzen Tiefschlafs besteht außerdem die Gefahr, dass Du danach noch müder bist als vorher. Tiefschlaf solltest Du also vermeiden. Den Espresso nach dem Mittagessen und vor dem Power Napping kannst Du Dir jedoch getrost gönnen – denn Koffein wirkt erst nach 20 bis 30 Minuten. Wie praktisch.

„Inemuri“, wie die Japaner sagen

Kurzschlaf zwischendurch. Das bedeutet „Inemuri“ wortwörtlich übersetzt. Ein Begriff, der fester Bestandteil des japanischen Wortschatzes ist. Wo genau Power Napping seinen Ursprung hat, ist schwierig zu sagen. Nicht zu übersehen ist allerdings die Tatsache, dass der Mittagsschlaf in kaum einem anderen Land so intensiv gelebt wird wie in Japan. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, braucht sich während der Mittagszeit nur einmal in die Geschäftsviertel von Tokio zu begeben: Fremde Menschen, die in der U-Bahn Kopf an Kopf schlafen oder ihr Unternehmen kurzzeitig verlassen, um auf der Parkbank ein Nickerchen machen, sind hier keine Seltenheit. Im Gegenteil. Diese Bilder sind aus Japan nicht mehr wegzudenken. Einige Firmen stellen für das Power Napping sogar eigene Sofas und Räume zur Verfügung und es gibt sogar Cafés, die sich auf „schlafende Kundschaft“ spezialisiert haben. Nur aufgepasst: Schnarchen und Füße auf den Tisch legen sind auch hier verpönt. Doch warum ist das Power Napping in Japan so weit verbreitet? Die plausibelste Erklärung dafür ist wohl die Tatsache, dass wenig Schlaf hier als Zeichen für Fleiß gilt. Nur wer hart und vor allem viel arbeitet, erreicht auch viel – so ist es in der japanischen Kultur verankert. In Japan herrscht deshalb förmlich ein chronischer Schlafmangel. Im Schnitt schläft keine andere Nation so wenig wie die Japaner. Für ihr kurzes Mittagsschläfchen haben wir deshalb nur allzu gutes Verständnis.

Power Napping in deutschen Büros

Vom Inemuri in Japan bis hin zur Siesta in Spanien und Lateinamerika: Power Napping mag überall anders heißen. Fakt ist jedoch, dass ein kurzes Nickerchen während der Mittagszeit weltweit verbreitet ist, auch in Büros. Doch warum ist Power Napping in Deutschland noch immer nicht so richtig angekommen? Grund hierfür ist wohl unsere Mentalität. Während der Mittagsschlaf in Japan von allen respektiert wird, wird man in Deutschland dann doch schnell als faul und arbeitsunwillig abgestempelt, wenn einem die Kollegen beim Nickerchen erwischen. Auch viele deutsche Chefs können sich mit dem Gedanken, ihre Mitarbeiter schlafen zu sehen, nur schwer anfreunden. Ein weiterer Grund ist aber auch, dass wir Deutschen lieber kurze oder gar keine Pausen in Kauf nehmen, um dafür abends früher nach Hause zu gehen – ein Punkt, der für Japaner beispielsweise wenig bis gar nicht relevant ist. Kulturen sind eben verschieden. Trotzdem gibt es auch hierzulande verschiedene Versuche, das Thema ernst zu nehmen. So stellen immer mehr Unternehmen ihre Teams hinsichtlich deren innerer Uhr zusammen. Denn jeder Mitarbeiter tickt anders. So macht es also beispielsweise Sinn, die Frühaufsteher zusammenarbeiten zu lassen.

Unser Fazit

Power Napping ist erwiesenermaßen gesundheits- und tatsächlich auch leistungsfördernd. Ob es sich zukünftig auch vermehrt in Deutschland durchsetzen wird, ist eher fraglich. Hierzulande ist und bleibt es wohl vorerst nur ein Gesprächsthema. Welche Entwicklungen wird die Zukunft wohl noch bringen? Wir halten weiterhin die Augen für Euch offen.

KPMG Power Napping
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