Frau Dr. Elter, Sie sind eine der wenigen Frauen in einer gehobenen Position in der Beraterbranche. Worin liegen Ihrer Meinung nach die Gründe für einen geringen Frauenanteil?

Beim Einstieg in den Beruf ist das Geschlechterverhältnis bei KPMG relativ ausgeglichen, aber wenn es die Karriereleiter hochgeht, dünnt der Frauenanteil aus. Das ist zwar branchentypisch, aber daran müssen wir unbedingt arbeiten. Wir brauchen andere Rahmenbedingungen, beispielsweise flexiblere Arbeitszeitformen und Karrieremodelle. Wir können es uns nicht leisten, sehr gute Frauen zu verlieren, weil eine hohe Reisetätigkeit oder die fälligen Wirtschaftsprüfungsexamina vielleicht nicht mit den Familienplänen einer bestimmten Lebensphase zusammenpassen. Das wäre zu kurzfristig gedacht. Ich kann Ihnen aber verraten, dass sich diesbezüglich bei uns etwas tut.

Was heißt das konkret? Wie meinen Sie das?

Ich glaube, das ist nicht nur ein Frauenthema, sondern ein gesellschaftliches Thema. Väter möchten heute ebenfalls mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen, Familien möchten eine gemeinsame Auszeit nehmen usw. Diesen Trend höre ich auch aus Gesprächen mit Verantwortlichen aus anderen Branchen heraus. Das klassische Karrieremodell verändert sich. Es kann auch mal Phasen im Leben geben, in denen man nicht zu 100 Prozent örtlich oder zeitlich flexibel ist. Dazu müssen wir Stereotype aufbrechen und gesellschaftlich Akzeptanz für unterschiedliche berufliche Modelle schaffen.

Sie sind nicht nur eine der wenigen Frauen in einer Führungsposition, Sie bewegen sich auch souverän in der Fußballbranche und bewerten den finanziellen Wert, zum Beispiel von Bundesligaspielern …

Ja, das stimmt. Ich habe viel in der Medienbranche gearbeitet und in diesem Zusammenhang ein bestehendes Bewertungsmodell von Filmrechten auf Fußballspieler übertragen, sodass die Idee für die Bewertung von Fußballspielern aufkam und auch vom Markt angenommen wurde. Das Modell hat sich in der Branche etabliert und ist auch unter dem Namen „Schwacke-Liste für Fußballer“ bekannt. Das Thema Frau und Fußball war eigentlich kein großes Problem.

Sie sind bereits seit 19 Jahren – mit kurzer Unterbrechung – bei KPMG. Was hat sich in der Zeit verändert?

Zum einen haben sich sicherlich die Rahmenbedingungen verändert. KPMG war immer schon dynamisch, aber durch das Internet, die weltweite Vernetzung und schließlich die Digitalisierung ist alles noch viel mobiler und flexibler geworden. Wir sind heute schneller im Erkennen von Trends, beraten einen Mandanten umfassend entlang seiner gesamten Wertschöpfung, anstatt nur „punktuell“ ein Produkt zu liefern. Zum anderen haben sich auch die Erwartungen von Arbeitnehmern gegenüber ihrem Arbeitgeber verändert. Bei unseren jungen Mitarbeitern haben wir naturgemäß einen hohen Anteil an Generation Y.

Was ist denn der Unterschied zwischen der Arbeitsweise von Generation Y und den anderen Generationen?

Zunächst einmal finde ich, dass man nicht wertend zwischen Generationen trennen sollte. Jede Generation hat positive Elemente, von denen andere Generationen etwas lernen können. Dafür sollte man immer offen sein. Bei der Generation Y beobachten wir, dass die Mitarbeiter die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeiten stärker hinterfragen. Sie wollen den Gesamtblick haben, wollen wissen, wie sich das kleine Tortenstück, das sie gerade bearbeiten, ins große Ganze fügt. Außerdem fordern sie stärker die Work-Life-Balance ein und kommunizieren ihre Bedürfnisse offen. Ich persönlich mag diesen Begriff übrigens nicht, weil er so abgrenzend ist, sondern sage lieber Life-Balance.

Nun sind Sie in einer Führungsposition. War das schon immer Ihr Ziel?

Das hatte ich nie bewusst vor Augen. Als Leistungssportlerin habe ich mich allerdings schon immer gerne dem Wettbewerb gestellt und wollte natürlich auch gewinnen. Ich habe zudem seit jeher gerne Verantwortung übernommen. Diese Eigenschaften aus meiner Sportlerkarriere haben sicher auch auf mein berufliches Leben abgefärbt.

Was ist denn prägender: Erfolg oder Niederlage?

Erfolge sind schön und wichtig, aber prägender sind sicherlich die Niederlagen, einfach weil man aus ihnen am meisten lernen kann: Was kann ich besser machen? Worauf achte ich beim nächsten Mal? – Siege können einen dazu verleiten, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, und das rächt sich spätestens im nächsten Wettkampf. Wer die Erfahrung einmal gemacht hat, weiß, dass Niederlagen auf ihre Art heilsam sind. Wenn Sie so wollen, ist für die Balance sowohl der Erfolg als auch die Niederlage wichtig.

Wie wird denn bei KPMG mit Fehlern umgegangen?

Eine gute Fehlerkultur ist wichtig. Man muss seinen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, aus den eigenen Fehlern zu lernen, denn Fehler gibt es immer. Da muss man sich im Zweifel vor sein Team stellen und dann intern im Nachgang klären. Aber auch als Führungskraft soll man sich hinterfragen und Fehler eingestehen. Das finde ich genauso wichtig. Bedenklich wird es eigentlich erst, und das gilt für alle, wenn man wiederholt den gleichen Fehler macht. Das passiert aber zum Glück nicht so oft.

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, um bei KPMG erfolgreich zu sein?

Man sollte vor allem eine gesunde Neugier mitbringen und für die Dinge, die man tut, gerne Verantwortung übernehmen. Außerdem ist es wichtig, veränderungsbereit und flexibel im Kopf zu bleiben. Themen und Tätigkeiten verändern sich schnell, da muss man agil sein. Das Handwerkszeug für die Beratung kann man erlernen, aber Neugierde, Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein für eigenes Handeln müssen bereits vorhanden sein.

Das Interview führte Barbara Engels für sisterMAG.

 

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