„Mich bringt bei der Arbeit heute nichts so schnell aus der Ruhe.“

Ein Job auf einer Baustelle, Abitur, neben dem Studium Türsteher auf der Reeperbahn, Einser-Studienabschluss, Promotion und schließlich Partner bei KPMG im Bereich Consulting: So oder so ähnlich könnte man den bisherigen Weg von Justus Marquardt in Stichworten zusammenfassen – und würde sich dabei irgendwie wundern. Deshalb haben wir mit dem gebürtigen Hamburger einmal ausführlich über seinen heutigen Job bei KPMG und seinen spannenden Weg in den Beruf gesprochen.

Lieber Herr Marquardt, Sie sind Partner im Bereich Business Intelligence & Steering. Wie dürfen wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Inhaltlich beschreibt der Begriff „integrierte Unternehmenssteuerung“ ganz gut, was mein Team und ich machen. Wir beschäftigen uns grundsätzlich mit der Frage: „Wie steuere ich effizient und effektiv Unternehmen?“ Doch nicht nur rein fachlich, sondern auch mit Blick auf die technische Konzeption. Wir arbeiten praktisch genau an der Schnittstelle von Fachbereich und IT. Das heißt, wir beraten unsere Kunden zum einen inhaltlich, zum anderen entwerfen und bauen wir anschließend aber auch die Anwendungssysteme, die sie zur Realisierung brauchen: von verschiedenen Konsolidierungs-, Planungs- und Berichtssystemen bis hin zu Simulationen, Advanced Analytics und eigenen Apps für Tablets oder Smartphones.

Was ist für Sie das Spannende daran?

Das breite Aufgabenspektrum. Dieses sorgt dafür, dass es bei uns im Team nie langweilig wird. Gerade im Bereich Advanced Analytics ist momentan sehr viel Bewegung mit vielen neuen, spannenden Themen. Besonders bereichernd finde ich aber vor allem eines: Wir schreiben nicht nur die Konzepte und sind danach wieder weg, so wie es bei einigen Mitbewerbern der Fall sein mag. Wir realisieren unsere Projekte dann auch und können uns letztendlich selbst davon überzeugen, dass es wirklich funktioniert, was wir uns vorher ausgedacht haben. Andersherum fände ich es weniger befriedigend, wenn jemand anderes das Konzept schreibt und man nur noch reingeholt werden würde, um das Vorgegebene umzusetzen. Klar, das gibt es auch. Und auch dafür sind wir da. Aber das, was am meisten Spaß macht, ist die Beteiligung an einem Projekt von Anfang bis zum Ende. Mit allem, was dazugehört.

Dabei hat beruflich ja einmal alles ganz anders angefangen, richtig?

Ja, richtig. Damals, im Alter von 16 oder 17, wollte ich mir in den Schulferien ein wenig Taschengeld dazuverdienen. Und meine ersten beruflichen Schritte machte ich dann als Hilfskraft in einem großen Handwerksbetrieb auf einer Baustelle. Dort habe ich tatsächlich aber nur wenige Wochen gearbeitet. Ich habe mir dann einfach mal aktuelle Stellenanzeigen angeguckt und bin über etwas gestolpert, wo zuverlässige, körperlich fitte Leute gesucht wurden. „Hey, das kann ich, das bin ich“, dachte ich mir, bin dorthin und es stellte sich heraus, dass es um den Job eines Türstehers auf der Hamburger Reeperbahn ging.

Sie nahmen den Job an – und haben dann ganze sieben Jahre als Türsteher auf der Reeperbahn gearbeitet…

Das stimmt. Der Kiez war mehr als sieben Jahre lang so etwas wie mein zweites Zuhause. Denn es war die perfekte Gelegenheit, über diesen Weg mein Studium zu finanzieren. Montags bis donnerstags studierte ich an der Uni Hamburg BWL, mit den Schwerpunkten Marketing, Ökonometrie und betriebswirtschaftliche Datenverarbeitung. Am Wochenende arbeitete ich dann auf der Reeperbahn als Türsteher. Und weil vielen Besitzern gleich mehrere Clubs gehören, wurde ich in vielen verschiedenen namhaften Hamburger Clubs eingesetzt. Bereits mit 19 stieg ich zum leitenden Türsteher auf. Das bedeutet: Mir wurde jeweils für die Abende das Hausrecht der jeweiligen Clubs übertragen. Ich organisierte dabei nicht nur die einzelnen Abende, sondern etwas später auch gleichzeitig die Einsatzpläne für über 80 Sicherheitskräfte – das war vom Job her letztlich nichts anderes als professionelles Sicherheitsmanagement.

Eine große Verantwortung. Wie darf man sich Ihren damaligen Alltag vorstellen?

Wir waren für die Sicherheit der jeweiligen Clubs zuständig. Das führte uns sogar über Hamburgs Grenzen hinaus. Auch bei Großveranstaltungen in Schwerin oder Berlin kamen wir beispielsweise zum Einsatz. Selbstverständlich: Die Gefahr war ein ständiger Begleiter und es kam teilweise leider auch zu lebensbedrohlichen Situationen. Es war eben nicht immer einfach, für Ordnung zu sorgen. Hinzu kamen die wirklich sehr langen Arbeitsschichten. Aber man erlebte viel in beide Richtungen – insbesondere viele positive Momente sind mir in Erinnerung geblieben. Weil wir in den Clubs und auf vielen Festivals auch für den Bühnenauf- und -abbau zuständig waren, kam man teilweise ins Gespräch mit den jeweiligen Bands. So durfte ich sogar einen Musikvideo-Dreh aus nächster Nähe live miterleben.

Wie ging es dann damals für Sie weiter?

Für mich war die Arbeit auf dem Kiez in dem Sinne ja keine Erfüllung. Es war von Anfang an kein Job, den ich ein Leben lang machen, sondern mit dem ich in erster Linie Geld für mein Studium verdienen wollte. Dieses hatte ich dann irgendwann abgeschlossen. Ich schrieb mein Examen – so gut, dass man mir eine Promotionsstelle anbot. Schließlich promovierte ich an der Uni Hamburg in der betriebswirtschaftlichen Datenverarbeitung. Mit dem Schwerpunkt Management Informationssysteme legte ich hier den Grundstein für meine heutige Arbeit.

Und dann führte Sie Ihr Weg zu KPMG …

Nicht direkt. Die ersten Jahre arbeitete ich für ein anderes Wirtschaftsprüfungsunternehmen der Big Four; 2013 überzeugte mich dann aber die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Besonders spannend fand ich hier die Tatsache, dass viele globale Initiativen des internationalen Netzwerkes von KPMG weltweit von Deutschland aus koordiniert und geleitet werden. So auch das ganze Thema Data Analytics, das ich besonders spannend und wichtig finde. KPMG hat ein wirklich lebendiges und funktionierendes globales Netzwerk, das meinem Drang nach internationalen Projekten entgegenkommt. Und hier hat sich seitdem bereits eine Menge getan. Wir sind erfolgreich und wachsen sehr stark und sind im Bereich Business Intelligence & Steering mittlerweile über 180 Leute. Einfach aufgrund der Tatsache, dass hier die Grenzen zwischen Controlling, Steuerung und Datenanalyse fließend sind, was den Bereich zum einen extrem spannend und zum anderen für viele Unternehmen auch zunehmend wichtiger macht.

Gibt es denn Erfahrungen aus der Vergangenheit, die Ihnen bei Ihrem heutigen Job helfen?

In jedem Fall. Geradlinigkeit, Ehrlichkeit und eine gewisse Menschenkenntnis waren bereits damals wichtige Eigenschaften und sie sind es auch heute noch im Beraterleben. Meine Zeit als Türsteher hat mich aber auch in dem Sinne geprägt, dass mich heute im Job so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Meine Kollegen bewundern immer wieder, wie ich selbst in stressigsten Situationen relativ gelassen bleibe. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Thema Vertrauen. Damals in der Disko hatte jeder Türsteher seinen Verantwortungsbereich. Man musste sich voll und ganz aufeinander verlassen können. Und sobald es irgendwo schwierig wurde, war derjenige in der Pflicht, die Hand zu heben. Das ist für mich heute nicht anders: Ich gebe meinen Kollegen viel Verantwortung. Die meisten nehmen diese auch gerne an. Genauso erwarte ich aber, dass jemand Bescheid sagt, wenn er Unterstützung braucht. Es gibt so gesehen durchaus einige Gemeinsamkeiten zwischen meinem heutigen Job und meiner Vergangenheit.

Wie beim Türsteher gibt es auch beim Wirtschaftsprüfer viele – wenn auch deutlich andere, Klischees – zu Unrecht?

Definitiv. Nicht jeder Wirtschaftsprüfer ist beispielsweise Erbsenzähler. Im Gegenteil: Wir haben sehr viel Spaß mit den Kollegen. Das liegt sicherlich auch an der Tatsache, dass man bei uns seine eigenen Mitarbeiter selber mit aussucht. Das ist bei KPMG so. Im Vorstellungsgespräch trifft man auf diejenigen, mit denen man später zusammenarbeiten wird. Und das finde ich extrem wichtig. Das sorgt dafür, dass das Betriebsklima hier bei KPMG wirklich überdurchschnittlich positiv ist. Das Menschliche steht hier ganz klar im Fokus. Und das trägt dazu bei, dass die Wirtschaftsprüfer in meinem Umfeld alles andere als „angestaubt“ sind. Vielmehr habe ich viele starke interessante Persönlichkeiten um mich. Jeder für sich ein echter Teamplayer.

Abschließend die Frage, wie es um Ihre Zukunftspläne steht – geht’s zurück in die Sicherheitsbranche?

Nein (lacht). Dieses Kapitel ist für mich abgeschlossen. Zwar bin ich beruflich inzwischen wieder zurück nach Hamburg gegangen, meine Zukunft ist und bleibt aber in jedem Fall bei KPMG. Ich konzentriere mich weiterhin auf meine Mandanten und bringe mich zusätzlich in der Hansestadt ein, um das Consulting insgesamt im Norden noch stärker zu machen. Ich betreue auch viele internationale Projekte, die mich sogar bis in die USA führen. Seit 2008 halte ich zusätzlich Vorlesungen für Business Intelligence an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim. All das würde ich gern beibehalten und noch weiter ausbauen. So oder so freue ich mich auf alles, was die Zukunft für mich bereithält. Genug zu tun gibt es in jedem Fall. Aber das Beste ist der Spaß, den ich an all dem habe.

Vielen Dank für das spannende Interview, Herr Marquardt!

 

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