Herr Boelck, Sie arbeiten als Berater bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Warum sind Sie nicht gleich zu einem Beratungsunternehmen gegangen?

Natürlich standen auch die reinen Top-Managementberatungen auf meiner Liste. Letztendlich ist es KPMG geworden, weil KPMG zum einen in der Qualität der Beratung diesen in nichts nachsteht und weil ich zum anderen hier in meinem favorisierten Bereich Mergers & Aquisitions schnell überdurchschnittlich viel Verantwortung übernehmen konnte. Diesen hohen Grad der Verantwortung auf Einsteigerniveau habe ich sonst nirgendwo gesehen.

Wie empfinden Sie die Arbeitsatmosphäre bei KPMG?

Gerade im Bereich M&A, wo es viele sehr zeitkritische Projekte gibt, die beispielsweise auch nicht publik werden dürfen, ist die Arbeitsintensität sehr hoch. Damit die Arbeit dann trotz dieser Intensität auch viel Spaß macht, braucht man eine tolle Arbeitsatmosphäre innerhalb des Teams. Und die gibt es bei KPMG definitiv. Hier ist es sehr locker und kameradschaftlich, wie auch die firmenweite Du-Anrede zeigt.

Und wenn mal etwas schiefläuft?

Es gibt eine sehr offene Feedbackkultur. Fehler sind menschlich und können passieren. Gerade am Anfang muss man viel lernen, das geht vom Erstellen von gut strukturierten und durchdachten Powerpoint-Präsentationen über die Erstellung von komplexen Bewertungsmodellen bis hin zur adäquaten internen und externen Kommunikation. Durch dezidiertes Feedback hat man selbst eine sehr steile Lernkurve.

Oft wird Beratern vorgeworfen, sie arbeiteten nur nach Schema F und würden nicht „outside the box“ denken…

Das hätte nicht einmal vor 30 Jahren geklappt und heute schon gar nicht mehr. Unsere Kunden sind anspruchsvoll und haben komplexe Herausforderungen zu bewältigen – da können wir ihnen nicht mit vorgeformten Lösungen kommen. Unsere Beratungssituationen sind so unterschiedlich, man kann da nicht einfach ein beliebiges Modell immer wieder durchexerzieren. An einem Tag beraten wir ein Unternehmen begleitend bei der Insolvenz eines ihrer Tochterunternehmen, an einem anderen Tag ein Unternehmen, welches anorganisches Wachstum plant– das sind ja völlig unterschiedliche Situationen. Aber natürlich entwickeln wir bestimmte logische Denkmuster aus der Erfahrung heraus.

Noch ein anderes Vorurteil: Berater arbeiten Tag und Nacht und haben kein Sozialleben.

Natürlich gibt es intensive Projekte. Aber jede Stunde wird erfasst und auch für einen angemessenen Ausgleich gesorgt. Ich persönlich arbeite gerne sehr intensiv und habe danach auch mal direkt im Anschluss ein paar Tage länger als nur das Wochenende frei. Unterm Strich müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie als Berater mit dieser hohen Intensität umgehen müssen. Deshalb sollte man unbedingt Spaß bei der Arbeit haben – und den habe ich.

Was schätzen Sie denn an Ihren Teamkollegen?

Berater sein ist nicht bloß ein Job, es ist mehr. Dementsprechend wichtig ist es, dass es menschlich extrem gut passt und dass man sich im Team aufeinander verlassen kann. Man schafft wirklich etwas zusammen, generiert zusammen Wert.

Eine typische Frage im Bewerbungsgespräch: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich halte nicht viel von Fünf- oder Zehn-Jahres-Plänen, denn das Leben ist einfach so nicht planbar. Was mir persönlich hilft meine Ziele zu verwirklichen ist ein übergeordneter Wunsch, eine Vision. Ich würde schon gerne den Weg bei KPMG weitergehen und schließlich selbst zum Partner aufsteigen.

Einige Ihrer Beraterkollegen gründen selbst ein Unternehmen…

Das würde ich auch nicht ausschließen. Ich selbst habe bereits während meines Masters eine studentische Unternehmensberatung gegründet, habe in dem Bereich also schon erste Erfahrungen gesammelt. Als Gründer ist man täglich für das Schicksal und die Entwicklung des Unternehmens verantwortlich, das ist sehr spannend. Bei KPMG hat man allerdings auch viel individuellen Spielraum und viele Entwicklungschancen. Ganz ehrlich: Über externe Optionen mache ich mir gar keine Gedanken.

Wenn Sie an Ihre Zeit als studentischer Berater zurückdenken, schlagen Sie sich angesichts Ihres heutigen Wissensstands die Hände über dem Kopf zusammen?

Gute Frage. Damals haben wir sehr lehrbuchartig beraten. Das, was wir gemacht haben, haben wir dann allerdings auch sehr gut gemacht. Heute mache ich natürlich ganz andere Projekte, das ist eine ganz andere Liga. An die Projekte, die ich heute mit KPMG mache, hätte ich mich mit meiner studentischen Beratung auf keinen Fall herangetraut.

Welche Tipps möchten Sie Bewerbern bei KPMG mit auf den Weg geben?

Ich glaube, es ist sehr wichtig, im Auswahlprozess authentisch zu sein, denn alles andere merken die Recruiter schnell. Man sollte Schwächen nicht kaschieren und Lücken im Lebenslauf nicht unter den Tisch fallen lassen. Es ist nicht schlimm, etwas nicht zu wissen, aber dann sollte man stringent darstellen, wie man das Problem theoretisch lösen würde. Wichtig ist natürlich auch die fachliche Vorbereitung. Ich habe mir beispielsweise angeschaut, welche Methoden es gibt, um Unternehmen zu bewerten. Einen Automobilkonzern bewertet man natürlich ganz anders als eine Bank. Außerdem wichtig: Training, Training, Training. Mögliche Fragen und Gesprächssituationen sollten mit Freunden, Eltern, Bekannten geübt werden. Dann ist man im Auswahlgespräch entspannter und kann einfach man selbst sein.

Das Interview führte Barbara Engels für sisterMAG.

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