Karaoke, Kanjis und KPMG:
über das Leben und Arbeiten in Japan.

KPMG ist ein internationales Netzwerk unabhängiger Mitgliedsfirmen mit rund 162.000 Mitarbeitern in 155 Ländern vor Ort. Davon überzeugen sich auch unsere Mitarbeiter aus Deutschland regelmäßig selbst – indem sie beispielsweise während sogenannter „Secondments“ bei ausländischen Mitgliedsgesellschaften der KPMG arbeiten, kulturelle Unterschiede kennenlernen und so ihren persönlichen Horizont erweitern. Ein Beispiel für diesen internationalen Austausch ist unser Kollege Gereon Sperling, der drei Jahre in Japan gearbeitet hat. Gereon ist Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und als Senior Manager im Bereich Audit-International Business in Düsseldorf tätig. Er berichtet uns von seiner Zeit in Tokio.

Die „Global Japanese Practice“ ist das KPMG-weite Netzwerk der Kollegen aller KPMG-Mitgliedsgesellschaften, die japanische Konzerne dabei unterstützen, ihr Unternehmen zum Erfolg zu führen – insbesondere über Japans Grenzen hinaus. Zusammen mit über 500 Experten bin auch ich Teil dieses Netzwerks und durfte so bereits in der Vergangenheit am Düsseldorfer Standort der deutschen Gesellschaft verschiedene japanische Kunden betreuen.

Dass es kulturelle Unterschiede gibt, stellte ich damals natürlich schnell fest. Wie groß diese jedoch tatsächlich sind, durfte ich dann aus erster Hand erfahren. Denn im Oktober 2012 bot mir KPMG Deutschland die einzigartige Chance, für zunächst zwei Jahre nach Tokio zu reisen, um meine Kollegen vor Ort zu unterstützen sowie die japanische Kultur noch näher kennenzulernen und besser zu verstehen.

So viel vorweg: Das Arbeiten in Japan war eine echte Umstellung, insbesondere durch die langen Arbeitszeiten, aber dennoch waren es sensationelle Jahre mit einzigartigen Erlebnissen und ein toller Lebensabschnitt.

Alles strikt geregelt – auch am Arbeitsplatz

Die größte Herausforderung meiner Entsendung war sicherlich der Umgang mit den kulturellen Unterschieden. Das gilt insbesondere im Arbeitsalltag. Hier gibt es klare Regeln, an die sich jeder Mitarbeiter zu halten hat. Arbeiten in Japan ist dadurch anders strukturiert als in Deutschland. Das beginnt schon bei der Sitzordnung in einem Meeting: Hier hat jeder seinen festen Platz. Sollte man sich also unsicher sein, wo der eigene Platz ist, heißt es abzuwarten – und zwar so lange, bis einem der entsprechende Platz zugewiesen wird. Auch wer morgens in welcher Reihenfolge auf der Arbeit zu erscheinen hat, ist klar geregelt – und zwar nach Karrierestufe. Als ich einmal frühmorgens der Erste vor Ort war, haben sich die Kollegen, die später kamen, regelrecht erschreckt und sich bei mir für ihr spätes Erscheinen entschuldigt.

Intensive Arbeitstage und viel Abstimmung

Arbeiten in Japan verlangt vor allem eines: Durchhaltevermögen. Denn Qualität, Detailverliebtheit und Perfektionismus stehen hier hoch im Kurs. Und weil alle Entscheidungen gemeinsam getroffen werden, gibt es zahlreiche Abstimmungsmeetings. Alles wird im Vorfeld mit jedem der Beteiligten einzeln besprochen. Damit alle immer vorab informiert sind und es im Abschlussmeeting keine bösen Überraschungen gibt. Das entlastet das ohnehin schon intensive Arbeitsaufkommen vor Ort nicht wirklich. An Freizeit ist von Montag bis Freitag oft sowieso nicht zu denken: Früher als sein Vorgesetzter gehen? Ein absolutes No-Go. Mehr als acht Stunden täglich arbeiten? In Japan aufgrund der Tatsache, dass man gerne für die Gemeinschaft und das Team arbeitet, schon fast selbstverständlich.

Die japanische Variante von Afterwork

Eine Ausnahme vom harten Arbeitsalltag bieten die regelmäßigen Mitarbeiterevents, die das gemeinsame Kennenlernen sehr erleichtert haben. Insbesondere nach dem ersten Feierabendbier. Plötzlich plauderten meine Kollegen über private Dinge. Und diejenigen, die angeblich kein Englisch sprachen, konnten es auf einmal doch. Nach jedem Abendessen gab es dann meist noch eine kleine Party, manchmal gefolgt von Karaoke. Eines behielten meine japanischen Kollegen aber auch hier immer ein wenig im Hinterkopf: das Arbeiten. In Japan erscheint man am nächsten Tag nämlich definitiv pünktlich im Büro – und zwar ohne Ausnahme. Ganz egal, wie lang die letzte Nacht war. Den vorhergehenden Abend noch einmal Revue passieren zu lassen? In Japan ein Tabu. Die entstandenen Kosten wurden übrigens immer gerecht untereinander aufgeteilt.

Guten Appetit – oder auch „Itadakimasu“!

Mal ein Thema abseits vom Arbeiten: In Japan – insbesondere in Tokio – ist das Essen wirklich fantastisch. Es ist von extrem hoher Qualität und sehr vielseitig. Nach dem Prinzip „Trial and Error“ muss man seine eigenen Erfahrungen sammeln und manche Gerichte einfach ausprobieren. Besonders die Abendessen mit japanischen Kollegen waren immer tolle Erlebnisse, weil Speisen bestellt wurden, die ich noch nicht kannte. Gerne würde man anschließend großzügig Trinkgeld geben – aber das wird in Japan einfach nicht angenommen, weil es schlichtweg unüblich ist. Dafür ist etwas ganz anderes üblich, was in Deutschland undenkbar wäre: Japanische Unternehmen interessieren sich nicht nur für die Arbeitsleistung, in Japan werden darüber hinaus jährliche Gesundheitschecks durchgeführt. Bedingt durch das hochwertige, gesunde Essen habe ich übrigens während meiner Zeit in Japan bei täglich drei vollwertigen Mahlzeiten insgesamt 10 Kilo abgenommen.

Japanisch lernen: eine große Herausforderung

Selbstverständlich habe ich während meines Aufenthalts versucht, die japanische Sprache zu lernen, da diese eine der größten kulturellen Barrieren ist – insbesondere beim gemeinsamen Arbeiten. In Japan besuchte ich deshalb wöchentlich einen Sprachkurs. Doch statt der wenigen Buchstaben, die wir im Deutschen kennen, existieren in Japan Tausende von Schriftzeichen, sogenannte Kanjis. Nur zur Orientierung: Um eine japanische Zeitung zu lesen, muss man ca. 3.000 solcher Kanjis beherrschen. Trotz intensiven Lernens bin ich deshalb auch heute leider nicht in der Lage, berufliche Konversationen auf Japanisch zu betreiben. Ich hätte nie gedacht, dass eine Sprache so kompliziert sein kann.

Mein Fazit

Das gemeinsame Arbeiten in Japan war eine echte und zugleich tolle Herausforderung. Trotz aller Hürden kann ich abschließend sagen: Es war definitiv die richtige Entscheidung. Gerne habe ich mein Secondment von zwei auf drei Jahre verlängert. So konnte ich im zweiten Jahr auf den bisherigen Erfahrungen aufbauen und selbst im dritten Jahr habe ich dann noch neue kulturelle Besonderheiten kennengelernt. Die Prüfungserfahrung im Bereich von großen börsenorientierten Unternehmen war zudem eine ausgezeichnete Ergänzung zu meiner vorherigen Arbeit im Bereich Inbound- und Familienunternehmen. Ich kann in jedem Fall sagen, dass diese Reise meinen persönlichen Horizont sehr erweitert hat. Trotz der intensiven Arbeitsbelastung und der vielen kulturellen Unterschiede habe ich mich immer wohlgefühlt. Eine vertrauensvolle Kommunikation war und ist hierbei in meinen Augen eindeutig der Schlüssel, um gemeinsam Ziele zu erreichen. Arbeiten in Japan? Ich würde es jederzeit wiederholen.

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